Juli 12, 2015

Diplomarbeit

Bewegung und Räume der Immanenz

Die enorme Anzahl von Menschen, die sich aus unterschiedlichsten Gründen in Bewegung befinden, konstituiert Netze aus Wegen und Orten und lässt neue Strukturen entstehen. Zwar ist Migration seit Anbeginn der Menschheit ein elementares Merkmal unserer Spezies – Art und Intensität waren aber stets unterschiedlich und haben vor allem in den letzten Jahren eine neue Qualität erreicht. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen, ökologische Irregularitäten, politische Konflikte, soziale Disparitäten etc. lassen Menschen weite Strecken zurücklegen und ihre Wohnorte für längere Zeiträume ändern. Nach mehreren tragischen Ereignissen im Mittelmeer wird Flüchtlingspolitik aktuell wieder verstärkt verhandelt und in die öffentliche Wahrnehmung geholt. Auf ihrem Höhepunkt ist die Frage allerdings noch lange nicht – man kann davon ausgehen, dass die Auseinandersetzung mit (Flucht-)Migration künftig zu einem Leitthema wird. Auch ihre räumlichen Implikationen weisen eine Aktualität auf, weshalb die raumschaffenden Disziplinen in ihrer politischen und sozialen Verantwortung gefordert sind. Der Flüchtigkeit von Bewegung entsprechend bilden sich Topographien der Vergänglichkeit, welche wiederum Formen von mehrdeutiger, ephemerer Architektur hervorbringen. Die Lebensrealitäten von Millionen von Menschen weltweit sind direkt mit dieser Typologie verbunden – es ist daher dringend geboten, eine architektonische und raumplanerische Haltung hierzu zu entwickeln. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die kumulative Bedeutung von Strukturen zu demonstrieren, die als Folge menschlicher Bewegung entstehen, und begleitend die Frage zur Verantwortung von PlanerInnen (vornehmlich der Architektur, der Raumplanung, der Landschaftsplanung und des Bauingenieurwesens) zu stellen. Primärer Anspruch ist dabei die gebührliche wissenschaftliche Objektivität, da innerhalb des Diskurses allzu oft der Versuchung nachgegeben wird, einfache Erklärungen anzuführen, emotionale Urteile zu fällen und tendenziöse Schlüsse zu ziehen. Die Arbeit enthält grundsätzliche Überlegungen, die PlanerInnen fächerübergreifend als Fundament für die Teilnahme an der Diskussion dienen und sie ihrer Rolle in der Migrationspolitik bewusst machen sollen.

 

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